04I09I21 bis 16I10I21   KERSTIN GOTTSCHALK & ANDREAS KOCH   Malerei und Fotografie

Kerstin Gottschalk überführt in ihrer künstlerischen Arbeit einfache Materialien in skulpturale Zusammenhänge, indem sie deren eigentlichen Aggregatszustand durch reduzierte Handlungen wie Stapeln, Kleben oder Gießen betont und überformt. Sie knüpft an Traditionen des Minimalismus und der Anti-Form-Bewegung an und versteht ihre Arbeiten als prozesshaft. So fließen beispielsweise Öl oder Wachs der Schwerkraft folgend im Raum oder auf einfachen Trägern und bilden unkontrollierbare Schichten. Sie entfremdet das Ursprüngliche des Materials vom alltäglichen Gebrauch und macht es einer sinnlichen Wahrnehmung zugänglich.

 

Neben den raumbezogenen Installationen arbeitet Kerstin Gottschalk kontinuierlich auf Papier und Leinwand. Ebenso finden Interventionen im öffentlichem Raum statt. Möglicherweise wird Kerstin Gottschalk kleine Interventionen in dem Arbeitsaufenthalt in Loitz realisieren. Die Dokumentation dessen wird mit in das Zeitungsprojekt fließen.


Andreas Koch arbeitet als Künstler, Grafikdesigner und Autor. In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich im weitesten Sinn mit Räumen. Oft nimmt er seine nächste Umgebung als Vorlage, um anhand exemplarischer Bilder unsere Wahrnehmung zu hinterfragen. Das kann auch sein Körper sein, den er aus mehreren Positionen parallel fotografiert, um so ein flaches, wie „gescanntes“, hochauflösendes Abbild seiner selbst zu erstellen. Es gibt keine Perspektive. 

Er knüpft an ein mittelalterliches Verständnis von Raumbildern an, die multiperspektivisch eher einer additiven Wahrnehmung entsprechen. Also kurz: Wahrnehmung, Blick, Erinnerung, Raum, (Sur)Realismus, Perspektive, Selbstverortung wären Begriffe die in seinem Werk vorkommen.

 

In seiner filmischen Arbeit simuliert er unmögliche Blicke weit in Bildräume hinein, unendliche Zooms in Spiegelflächen, die er mit Texten aus dem Off akustisch bespricht. Für seine neueste Arbeit wird er eine Haltestelle als Bühne

nutzen. Die Protagonisten sind mit ihren Smartphones beschäftigt, die Monologe die sie lesen, werden eingesprochen und überlagern sich.

 

Gleichzeitig plant er zusammen mit seiner Partnerin Kerstin Gottschalk eine Zeitung, in der Texte, die sie teils auch in Loitz sammeln und schreiben, teils aus dem Film, der noch produziert werden muss, abgedruckt werden. Das visuelle Material sind Fotografien und zeichnerische Arbeiten die vor Ort entstehen.

 

(Kerstin Gottschalk und Andreas Koch, Berlin im April 2021)